Schilf: Alles, was denkbar ist, existiert
Author: lzettl | Filed under: Filmkritiken, Kinonews
Die Physik als Wissenschaft beschäftigt sich nicht nur mit klar beweisbaren Fakten und Tatsachen, sondern lässt die Forschung auch meist in ein undefinierbares, verwirrendes und nicht greifbares Gebiet eintauchen. Ungewissheit, die es zu beweisen gilt. Vor dieser Herausforderung sieht sich auch der Universitäts Professor Sebastian Wittich, der sich seit geraumer Zeit mit der Möglichkeit der Existenz von Paralleluniversen beschäftigt.
Der Roman Schilf von Juli Zeh driftet in menschliche und wissenschaftliche Abgründe ab, die der Film gekonnt in die Bildlichkeit übersetzt. Ein Psychodrama, das bis unter die Knochen geht und nicht nur die Hauptfigur in absolute ungewisse Tiefen schleudert, sondern auch den Zuschauer zum nachdenken anregt. Abstrakte Konzepte von Raum, Zeit und Wirklichkeit werden hier zur Realität und stellen zum einen gängige Grundstrukturen der physikalischen Wissenschaft in Frage und verflechten sich zum anderen in eine unglaublich fesselnde Geschichte aus Kindesentführung, Mord und gescheiterten menschlichen Beziehungen.
Sebastian und Oskar sind seit der Unizeit die besten Freunde. Zwei Physiker wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Der eine sehr pragmatisch und unbeholfen, der andere brilliant und elegant. Haben sie sich im Studium zu Höhen angetrieben, verlieren und entfernen sich die beiden im Hier und Jetzt immer mehr von einander. Während Oskar an das berühmte Schweizer Forschungsinstitut CERN geht, um seine genialen Ideen in die Tat umzusetzten, flieht der eher gefühlsbetonte Sebastian vor dem ständigen Konkurenzkampf mit seinem besten Freund in die Ehe. Doch so einfach kann man der intensiven Beziehung nicht entkommen und sieht sich schneller als man möchte vor einem unauflösbar scheinenden und zunehmend komplexeren Problem. Der Sohn wird entführt, die Ehe zerbricht, der Glaube an die eigene Theorie in Zweifel gezogen. Und alles wegen einer Freundschaft, die so innig ist, dass sie nur Eifersucht hervorbringen kann!
Die Handlung ist wirklich komplex und der Zuschauer wird immer weiter in Verstrickungen, Verwirrungen und realitätsfernen Situationen geworfen, bis das Rätsel gelöst und man schockiert vor einer ungesunden menschlichen Beziehung sitzt.





